La aventura de Mayke- Ein Abenteuer zum Englischunterricht

Warnung! Dies ist ein Frust Blog Eintrag, weil ich den grade zum zweiten mal schreibe, weil wir vorhin Stromausfall hatten und deshalb nichts gespeichert wurde.

Anfang Dezember stellte sich heraus das der allseits beliebte Profe Jose nach den Ferien nicht mehr an die Manthoc-Schule zurück kehren würde, sondern an einer neuen Schule unterrichten wird. Und genauso ist es im März (also Schuljahresbeginn in Peru) auch gekommen. Die Schule fing an und das ohne Jose, erst mal sehr merkwürdig für mich schließlich war er mit seinen Späßen und unglaublichen Enthusiasmus für die Kinder zur stelle und bei Fragen immer da. Nun halt nicht mehr. Durch Sadith, seine Ehefrau und ebenfalls Lehrerin bei MANTHOC, ist er jedoch immer noch präsent und hat mich gefragt ob ich ihn nicht mal an seiner neuen Schule besuchen möchte und dort mit den Schülern Englisch machen möchte, schließlich kann er selber kein Englisch sprechen. Kurzerhand sagte ich ja. Diese Entscheidung bereue ich zwar kein Stück aber ich hatte kein Plan worauf ich mich damit eingelassen hatte.

Los geht es!

Und das viel zu früh. Um 4.30 in der früh traf ich Jose vor meinem Haus (leider war ich so dumm und habe in dieser Nacht Guardia bei der Feuerwehr gemacht mit drei Einsätzen, also musste ich noch früher los um zu meinem Haus zu latschen, aber ich würde mal sagen: selber schuld). Zusammen sind wir mit einem Moto zum Startpunkt der Kombis gefahren, welches um 5 Uhr startete. Also in der ersten Stunde konnte ich noch einigermaßen dösen, Aber ab 6 Uhr war der Weg dann nur noch eine Schotterpiste mit so vielen Schlaglöchern, dass an dösen nicht mehr zu denken war. Stattdessen konnte ich die Aussicht genießen und morgens die Anden und Nebelschwaden betrachten.

Also am Ziel des Kombis waren wir zwar schon im Nirgendwo, jedoch noch lange nicht am Ziel, sondern erst auf der Hälfte der Strecke. Der Rest des Weges wurde dann zu Fuß durch Fett matschig reifen Schlamm zurück gelegt. Und auch wenn der Weg etwas beschwerlich war, hat es sich für den Ausblick definitiv gelohnt und für die Kinder erst recht.pict0485

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Nach gut anderthalb Stunden wirklich wandern und nicht nur spazieren gehen, hatten wir dann wirklich Hunger und wurden in der Schule auch schon von den Kindern und einer Mama zum Frühstück erwartet. Jedoch nicht etwa Brot mit Belag sondern Suppe mit Nudeln und Kartoffeln, die es jeden Tag gibt auf dem Land. Durch das gemeinsam Essen hat sich die anfängliche Scheu schon mal etwas gelegt, denn was ist schließlich normaler und komischer als eine fremde, große, weiße Frau die Suppe ist am gleichen Tisch isst, die auf dem gleich kleinen Stuhl sitzt und sich ebenfalls mit Suppe auf bekleckert, weil sie nicht essen kann.

Als der Unterricht dann anfing war ich total gerührt, weil sie meinen Namen und Blumen an die Tafel geschrieben haben um mich willkommen zu heißen. Anfangen wollte ich eigentlich mit einer Erklärung wo ich herkomme und in welchen Ländern man Englisch spricht, was man in Deutschland spricht und was in Peru. Leichter gesagt als getan, denn auf die Frage in welchem Land sie wohnen kam erst mal Ramus. (Ramus in dieses kleinen Flecken Land in der Provinz San Pablo, welche zum Distrikt Cajamarca gehört, welches wiederum ein Teil des Landes Peru ist) also erst mal auf dem Globus anfangen mit der Frage wo liegt Südamerika und danach die große Frage wer findet Peru und dann der aller kniffligste Teil wo liegt Cajamarca????? Und dann erst mal erklären wie ist Cajamarca so, weil alle dieser Kinder noch nie aus Ramus raus gekommen. Wenn selbst Cajamarca eine unbekannte Welt ist, wie kann ich ihnen erklären wo ich herkomme? Genau im Endeffekt kann ich ihnen Deutschland auf der Landkarte zeigen und ein bisschen war erzählen, sich das aber auch nur annähernd vorstellen konnten sie es sich nicht. Im Laufe dieses Gespräch hat sich dann herausgestellt, das ich die erste blonde und weiße Person bin die sie sehen. Damit war ich natürlich schon was besonderes, aber am Ende des Tages war ich einfach ihre Englischlehrerin die mit Ihnen auch mal Fangen spielt und quatsch macht und nicht essen kann.

Sie haben an die Tafel extra meinen Namen gemalt :)
Sie haben an die Tafel extra meinen Namen gemalt :)

Das eigentlich Lernziel waren jedoch die Nummern bis 10 und weil dort insgesamt 9 Kinder zur Schule gehen, diese jedoch in der 1-4 Klasse sind, haben wir die Nummern noch mal kurz auf spanisch wiederholt. Die beiden Erstklässler hatten danach zwar immer noch ein paar mehr Probleme mehr als der Rest, aber dadurch das der Englische Part für alle neu war, hat sich das alles wieder ausgeglichen. Damit es nicht ganz trocken wird (im wahrsten Sinne des Wortes) sind wir nach den ersten paar Versuchen nach draußen auf die Wiese gegangen: Dafür habe ich die Nummern in unterschiedlichen Farben auf Karten gemalt und diese auf dem ganzen Schulhof verteilt. Und dann wurde es etwas anstrengend für meine Stimmbänder, denn ich habe immer die Nummern auf englisch gesagt und die Kinder sollten mir die richtigen Karten bringen. Bei dem einen hat es besser und bei dem anderen schlechter geklappt, aber es haben alle mitgemacht und so im großen und ganzen kann ich echt zufrieden mit meinen Schülern.

Alle sind fleißig am zuhören....
Alle sind fleißig am zuhören….
.. .und am rennen
.. .und am rennen

Nach der Pause habe ich noch ein bisschen Fangen gespielt mit allen und damit waren wir das Unterhaltungsprogramm für alle die uns sehen konnten. Schließlich sieht man da nicht jeden Tag eine große, fremde Lehrerin die sich beim Fangen spielen mit den Kids (fast) auf die Schnauze legt. Eigentlich haben sie natürlich nach der Pause normalen Unterricht, aber weil Jose wusste, das ich da sein würde, hat er stattdessen eine Elternversammlung einberufen um den Schulgarten zu planen. Damit es in Zukunft auch Gemüse und nicht nur Reis mit Kartoffeln gibt.

Irgendwann als wir alle nicht mehr rennen konnten, habe ich meine Kamera raus geholt um ein paar Fotos von der Umgebung zu machen. Es endet damit das jedes Kind ein Foto machen wollten, weil so eine Kamera schon sehr spektakulär ist. Und jetzt habe ich so in etwas 60 Fotos die, die Kinder gemacht haben. Manche sind was geworden, aber die meisten eher nicht. Wo bei sie sehr schnell gelernt haben, dass sie mit der Kamera nicht spielen (also rennen, schubsen kitzeln etc.) dürfen, weil die Kamera sonst ganz schnell bei einem anderen Kind gelandet ist.

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Und dann war auch schon wieder Zeit fürs Mittagessen. Diesmal gab es, wie jeden Tag, Reis mit Kartoffeln und noch dazu (nicht jeden Tag) Linsen. Total einfach, aber super lecker. Von dieser Rießenportion konnte ich trotzdem nicht mehr als einen verdrücken. Manche von den Schülern haben jedoch drei Teller leer gegessen, bis sie satt waren.

Ich bin zu groß :/ Aber das Essen war wirklich lecker.
Ich bin zu groß :/
Aber das Essen war wirklich lecker.

Und dann hieß es auch schon Abschied nehmen und zurück wandern. Der Rückweg ging größtenteils bergauf und ich kann euch sagen von 3150 m auf 3650 m zu wandern ist mehr als nur ein kleiner gemütlicher Spaziergang. Wenigstens war uns bei Wandern dann nicht kalt. Denn so ab 13 Uhr ist alles im Tiefen Nebel versunken und dadurch sieht man nichts, aber zum hauptsächlich sinkt die Temperatur rapide ab. Und beim warten aufs Kombie hat man das schon gemerkt.

Durch den Nebel konnten wir nur minimal schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren, was mir bei der Schotterpiste und mit der Sicht (max. 20 m) aber immer noch manchmal zu schnell für meinen Geschmack war. Abends im Dunkeln, um kurz vor 8, sind wir dann endlich heile, müde und durchgeschüttelt wieder in Cajamarca zurück gewesen.

Fazit: Es war echt schön einmal aus der Stadt raus zukommen. Denn das Leben in der Stadt unterscheidet sich nochmal grundlegend von dem Leben auf dem Leben. Und auch wenn es ein sehr anstrengender bin ich einfach nur sehr dankbar für die vielen neuen Eindrücke. Ich werde in den letzten paar Monaten noch so alle zwei Wochen dort rüber fahren, aber ich habe größten Respekt vor Jose der diese Strecke jeden Montag und Freitag zurück legt und die restliche Zeit, dort im Nirgendwo, getrennt von seiner Familie lebt. Ich bin beeindruckt wie wissbegierig, neugierig und herzlich (in der Pause hat jedes Kind die Hälfte seines Essens mit Jose und mir geteilt) die Kinder sind. Für sie lohnt sich ein so langer Tag in jedem Fall.

Liebe Grüße

Maike