Weihnachten und Advent. Eine Zeit zum Besinnen?

Hallo ihr Lieben,

ich bin auch mal wieder zurück aus meiner Versenkung und in der Zwischendurch ist eine Menge passiert. Einer der wichtigsten Termine war natürlich Weihnachten (und der Geburtstag von meiner lieben großen Schwester. Es war das erste Weihnachten ohne meine Familie und in einem ganz anderen Land mit einer anderen Kultur und das schließt eine andere Adventszeit mit ein.

Zuhause in Deutschland geht für mich die Adventszeit damit los, dass es abends früher dunkel wird, es kalt ist und wir anfangen Weihnachtsplätzchen zu backen. Alle drei Sachen gab es hier nicht. Oder zumindest nicht so wie ich es von zu hause gewohnt bin. Hier geht die Sonne um halb sieben unter (wie das ganze Jahr) und an stelle von kalt, hat mittlerweile die Regenzeit angefangen und es regnet ab und an (auch nicht öfters als 2x die Woche) und klar in der Schule arbeite ich in der Reposteria und da haben wir auch Kekse gebacken, aber definitiv keine Weihnachtsplätzchen.

Stattdessen gab es gefühlt tausend andere Adventsveranstltungen. Von der Schule, der Feuerwehr, den Pfadfindern und der Jugendbewegung MANTHOC.

In der Schule hatten wir zwei wichtige Termine. Die chocoladada de los bomberos und die Promocion der sechste Klasse. Und für die die kein Spanisch können, kommt hier die Erklärung (nebenbei: Mittlerweile ist mein spanisch echt gut und ich habe kaum Probleme beim Sprechen. Ich verstehe hier alle und alle verstehen mich. Nur schreiben oder lesen fällt mir manchmal schwer.) Die Feuerwehr von hier hat jedes Jahr vor Weihnachten ein sozial Projekt. In diesem Jahr hat die Feuerwehr also eine so genannte Chocoladada bei uns in der Schule für alle 150 Schüler + die 100 Geschwister veranstaltet. Eine Chocoladada ist, wie der Name es schon vermuten lässt, eine Ausgabe von heißer Schokolade zusammen mit Paneton und in diesem Fall einem kleinem Beutel mit Roscas und Süßigkeiten. Eigentlich eine echt tolle Sache und die Kinder haben sich sehr gefreut über das leckere Essen. Ich habe mich eher weniger gefreut darüber 250 Tüten mit Bonbons, Kuchen und Plätzchen zu füllen, immerhin war ich dabei nicht alleine sondern mit drei Feuerwehrschülern und wir haben einiges zu quatschen gehabt. Vielleicht besuche ich mal ihre Wache um mich um zuschauen. Zusätzlich zu den Essenstüten, haben sie eine Entertainmentshow vorbereitet und weil ich definitiv zu nett wurde ich direkt engagiert und in ein Minni Maus Kostüm gesteckt und musst/durfte in so einem fetten Kostüm mit den Kindern tanzen. Nur ist es hier an Weihnachten nicht kälter sondern eher wärmer und mit der heißen sonne wurde es ein bisschen warm in dem Kostüm :)

minni_mouse

Es hat jedoch nicht geklappt mit der Verschleierung wer in dem Kostüm steckt, weil die Kinder mich sehr schnell an meinen Armbändern erkannt haben. Trotzdem war es lustig mit neue und bescheuerte Tanzbewegungen zu erfinden um die Kinder zum lachen und tanzen zu bringen.

Die andere wichtige Veranstaltung der Schule ist Ende Dezember der Abschluss der sechste Klasse (die so genannte Promocion). Der wichtigste Tag im Leben der Schüler. Und der Vergleich mit dem Hochzeitstag ist beabsichtigt, denn genauso putzen sich, besonders die Mädchen, heraus. Egal wie arm oder reich die Familie ist (die Wahl an der Schule liegt leider zwischen arm und superarm) zum Abschluss wird ein neues Kleid gekauft und hohe Schuhe sind Pflicht. Außerdem geht man zum Friseur und bekommt eine aufwendige Hochsteckfrisur und wird geschminkt. Das führt dazu das die pünktlichen Freiwilligen (Leo und Ich) genügend Zeit haben um noch aufzuräumen, den Essensplan für die Woche darauf zu erstellen, den Müttern zu helfen beim kochen(es gab cuys=Meerschwinchen) die Hecke zuschneiden und sich trotzdem noch zu langweilen. Am Ende haben wir drei ein halb Stunden (von 15 Uhr bis halb sieben) gewartet bis es endlich los ging … Als es endlich los ging war es echt schön. In den Wochen vorher haben die Schüler einen Eröffnungstanz vorbereitet, der stolz vorgeführt wurde.

 

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Danach folgten die üblichen Rede, eigentlich war es genauso wie mein Abiball, jeder der wichtig ist oder sich wichtig gefühlt hat, hat eine typische Rede gehalten. Hinterher wurde jedem Kind sein Exam feierlich überreicht (ich durfte auch eins überreichen), zusammen mit einem Abschlussfoto. Und weil eine Feier, keine Feier ohne viel, viel Essen ist, wurde hinterher noch ein Festmal serviert. Um genauer zu sein Tamales als Vorspeise und als Hauptgericht Reis mit Kartoffeln und frittierten Meerschweinchen. Bevor sich jemand fragt ob ich es probiert habe: Nein habe ich nicht, aber ich habe mir sagen lassen, dass es nicht so lecker sein soll und kaum Fleisch dran ist. Getanzt haben wir hinterher leider viel zu lange, denn am nächsten Tag die große und gefürchtete POLLADA.

Die Pollada

Ein definitiv zu Recht gefürchtetes Event, aber auch einer der Highlight dieses Jahres. Sooo für die Spanischunwissenden pollo=Hühnchen, nachdem man das weiß ist es nicht mehr so schwer herauszufinden was eine pollada sein soll. Nur die Ausmaße sind noch unklar. Die Pollada war das letzte Event des Jahres von MANTHOC, deshalb wurden wirklich ALLE Personen die irgendetwas mit MANTHOC zu tun haben eingeladen zu diesem Mittagessen. Von den eingeladenen 550 (mitlerweile hat MANTHOC Cajamarca 18 Gruppen mit jeweils ungefähr 25-30 Kindern (350) + die Gruppenleiter + Schulkinder (150)+ befreundete Schule (30)) Leuten/ Kindern sind schlussendlich „nur“ 300 gekommen. Sonderlich viel einfacher hat es uns die Aufgabe nicht gemacht, denn das ganze Essen und die Geschenke haben wir trotzdem für alle vorbereitet. Während die dritte Klasse also ein Krippenspiel aufführte, stand ich in der Küche und habe mir die Finger an den heißen Kartoffeln verbrannt und Krautsalat verteilt, auf weiß Gott wie viele Teller. So viele Papas und Hähnchen haben ich noch nie in meinem Leben gesehen. Mit insgesamt 10 Leuten standen wir in der Küche um irgendwie mit dem Ansturm an hungrigen Kindern fertig zu werden. Zusätzlich haben wir an jedes Kind eine Tasse und Obst verteilt. Das ganze ist nur mit der finanziellen Hilfe des Fördervereins zustande gekommen.

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und das ist nur ein Teil des Essens

 

Chocoladada de mi grupo en Puylucana

Nachmittags ging es dann weiter mit der nächsten Weihnachtsfeier. Diesmal in meiner Gruppen in dem Dorf Puylucana außerhalb von Cajamarca. Durch Zufall hatte ich meine Kamera dabei, die alle natürlich gründlich bestaunen und ausprobieren mussten. Und bei einem solchen Gewusel (viele aufgedrehte Kinder) ist es gar nicht so einfach den Überblick, darüber zu behalten wer schon ein Foto geschossen hat und wer noch dran. Im Vorfeld haben Nataly, die zweite Gruppenleiterin, und ich uns abgesprochen, wie wir den Kindern ein besonders schönes Weihnachten bereiten können, denn für manche der Kinder ist Weihnachten ein Tag wie jeder andere auch, deshalb wollten wir in der Gruppe ein besonders schönes Weihnachten feiern. Und das ist uns auch gelungen. Nataly hat es geschafft einen Freund der Familie so lange zu bequatschen, bis dieser einwilligte Paneton und Roscas zu spendieren und ich habe zusätzlich noch Milch und Kekse bei gesteuert. pict0297Bevor sich alle auf das Essen stürzen konnten, mussten wir noch den Weihnachtsbaum mit dem selbst gebastelten Sternen schmücken. Und haben eine Menge an Spielen gespielt, von denen ich die meisten zwar wieder vergessen habe, aber sie waren alle einfach verrückt und lustig (genau für mich).

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Weihnachtslieder haben wir auch gesungen, aber nur mit mäßigem Erfolg. Die eine Hälfte hat nur gebrüllt und die andere Hälfte kannte den Text nicht oder war zu schüchtern. Bei den Plätzchen haben dann aber alle wieder gut zugelangt. Leider gab es nicht für alle was zum Auspacken, aber insgesamt 10 Kinder durften die Geschenke der Gruppe auspacken (Puzzle, ein Springseilchen und Bücher. pict0272

Und weil es ein so schöner Nachmittag war, habe ich die Zeit vergessen und musste nach hause wandern ……

Und dann war ich krank. Bis dahin habe ich mich recht wacker geschlagen, dafür traf es mich in der Woche vor Weihnachten vor Weihnachten umso heftiger. Ich sage nur 41 Grad Fieber und mehrere Tage Krankenhaus vor Weihnachten sind niemandem zu wünschen, kriegt man aber auch rum und pünktlich zu Weihnachten bin ich auch schon wieder entlassen worden.

Da der Leo mein Mitbewohner über Weihnachten in Urlaub gefahren ist, bin ich kurzerhand bei meinen beiden Nachbarinnen Merle und Elli (sie sind ebenfalls deutsche Freiwillige)eingezogen. Den Nachmittag habe wir noch sehr entspannt verbracht und abends ging es dann los. Um acht Uhr abends wurden wir von Viktor (dem Mentor von den beiden) abgeholt um zusammen zur Messe zu gehen. Eigentlich sollte die Messe um halb neun los gehen, aber wie man das so kennt, ging es erst um 21 Uhr los, von daher war es nicht so schlimm, dass wir selber zu spät waren. Die Messe selber war anders aber schön. Natürlich wurde auch die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen und ich konnte so einigermaßen folgen. Anders war zum Beispiel die Krippe mit sehr vielen (zu vielen) blinkenden, bunten Lichterketten. Auch wenn die Krippe eher hässlich war, so war die Musik umso schöner. Wir haben viele Lieder gesungen die tatsächlich aus der Andenregion stammen und begleitet wurden wir von zwei Gitarren und einer Cajon. Nach der Messe (also so um 22 Uhr) sind wir zu Fuß zum Haus von Viktor gelaufen. Wenn man in Deutschland um diese Uhrzeit an Heiligabend durch die Straßen läuft begegnet man keiner Menschenseele. Hier hatten wir das Problem, dass es teilweise unmöglich war vorwärts zukommen, wegen zu vieler Menschen. In den Straßen waren überall Stände aufgebaut und es wurden von Spielzeug über Obst bis hin zu Klamotten alle möglichen Sachen angepriesen. Außerdem gab es verschiedene gut besuchte Spielstände. Für die allerkleinsten Trampoline und für die großen Glücksspiele mit Pisco als Gewinn. Da fragt man sich schon was der Sinn an Weihnachten ist. Eine besinnliche Zeit mit der Familie? Das große Geld machen durch den Weihachtsverkauf? Oder sich zurück erinnern an den eigentlich Sinn Heiligabends, an die Liebe Gottes und die Nächstenliebe? Hier ist mir die kommerzielle Seite Weihnachtens nochmal viel mehr aufgefallen, aber in Deutschland ist es nicht besser, sondern nur früher und nicht an Heiligabend.

Die krasseste Art von Propaganda ist/war der Plaza de Armas mit seinen tausenen Lichterfiguren. Diese müssen natürlich irgendwie bezahlt werden, daher gab es Sponsoren. Und daher stand auf jeder zweiten Figur dick und fett Yanacocha. Sie hatten sogar einen eigenen Weihnachtsschlitten mit großen Leuchtbustaben. Für diejenigen die Yanacocha nicht kennen hier eine Zusammenfassung.

Yanacocha (Cajamarca-Quechuayana = „schwarz, dunkel“; qoch’a / quĉa = „See, Lagune“)[1] ist eine Goldmine im peruanischenDepartement Cajamarca, die größte des amerikanischen Doppelkontinents und eine der größten und profitabelsten weltweit.

Der 251 km² große Tagebau befindet sich etwa 18 km nördlich der Stadt Cajamarca, in Höhen zwischen etwa 3500 m und rund 4100 m gelegen und wird von der Pazifik-Atlantik-Wasserscheide durchquert. Derzeit ist mit dem Projekt Conga eine stark umstrittene Erweiterung der Mine geplant.

In meinem Blog eintrag um Thema Wasser habe ich auch das ein oder andere zu dieser Miene geschrieben (Wasserverschmutzung, Ausbeutung, Kinderarbeit…) , daher jetzt wieder zurück zum Thema Weihnachten.

Um halb zwölf sind wir dann auch mal am Haus angekommen und müssen erst einmal warten (wie immer) denn noch sind nicht alle seiner 7 Schwestern und drei Brüder + ihre Familien versammelt. So gegen Mitternacht waren wir endlich vollzählig und es konnte losgehen mit dem „offiziellen Teil“, also dem Lesen der Weihnachtsgeschichte, die symbolischen Puppe Jesus die in die Krippe gelegt wurde und dem Singen von Weihnachtsliedern. img_2900

img_2939Und dabei konnte man sehr gut merken wie musikalisch diese Familie ist (Viktor ist Gitarrenlehrer und zwei seiner Schwestern leiten Chöre). Hinterher gab es das typische Weihnachtsessen, was es in wirklich jeder Familie gibt, nämlich pavo al horno (gebackener Truthahn). Natürlich reichte einer nicht aus deshalb gab es ein ganzes gebackenes Schwein und zwei Truthähne mit Reis, Apfelmus und einem Obstsalat in dem auch klein geschnittene Salami war und der zum Schwein gegessen wurde. Und eine Feier ist keine Feier wenn nicht auch getanzt wird. Also wurden die Stühle zu Seite gerückt und bis in die frühen Morgenstunde hinein getanzt. img_2916

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Und dann war Weihnachten auch schon wieder vorbei. Natürlich habe ich es vermisst Weihnachten zuhause mit meiner Familie zu feiern in gewohnten Umfeld, aber es war auch super schön zu sehen wie Weihnachten hier gefeiert wird und ich wurde sehr lieb willkommen geheißen in der Familie von Viktor und auch in der Wohnung von Elli und Merle.

Weihnachten mit den deutschen Freiwilligen
Weihnachten mit den deutschen Freiwilligen

Im Moment gebe ich nur Ferienkurse die weniger anstrengend sind, deshalb hoffe ich das ich es noch schaffe einen Eintrag über Silvester zu schreiben. Trotzdem jetzt schonmal allen ein frohes, mittlerweile nicht mehr so neues Jahr 2018!