Über Gott und die Welt und das Leben

Vormerkung:

Angefangen den Text zuschreiben habe ich Anfang Dezember. Wie man meinem Blogeintrag über Weihnachten entnehmen kann, war ich viel beschäftigt im Dezember und evtl. auch ein bisschen faul, weshalb ich diesen Beitrag erst jetzt veröffentlich. Besser spät als nie, von daher viel Spaß beim Lesen. Und auch hier folgen noch mehr Fotos, sobald das Internet wieder besser ist .

Hallo an alle :)

Mittlerweile ist schon Dezember und es sind schon vier Monate vergangen seit dem ich in den Flieger nach Peru gestiegen bin
und es ist auch schon wieder mehr als ein Monat vergangen seit meinem letzten Beitrag, deshalb werde ich mal einen Rundumschlag machen was alles bei mir passiert ist.

 

Um auf den Titel zurück zukommen, um genauer zu sein, den Teil über Gott. Anfang November waren die “dias de todos los santos”, also auf deutsch Allerheiligen. In Deutschland hab ich diesen Tag überhaupt nicht sonderlich beachtet, sondern mich nur gefreut das schulfrei ist. Hier wird ungefähr drei Tage lang gefeiert und an die Verstorbenen gedacht, mit verschiedenen Traditionen. Zum einen versammelt sich die komplette Familie auf dem Friedhof vor den Urnenfächern ihrer Verwandten. In Deutschland machen das ja auch einige, aber meistens wird dann eine Kerze angezündet und in Stille gebetet. Hier ist an diesen Tagen auf dem Friedhof die Hölle los. Jeder bringt Musik mit oder Musikinstrumente und es wird gesungen und getanzt. Außerdem wird das Lieblingsessen des Verstorbenen gekocht und den Verstorbenen angeboten. Am Ende wird das ganze Essen mit allen geteilt und es gibt ein großes Picknick. Aber auch wenn das jetzt alles ganz toll und lustig klingt und auch war, ist nicht alles gut. Auf dem Friedhof habe ich das erste mal mit eigenen Augen gesehen wie viele von den Schulkindern von MATHOC arbeiten. An jeder Ecke könnte ich ein anderes Kind sehen und ein Großteil waren bekannte Gesichter. Ein Teil der Kinder hat Kerzen verkauft oder Blumen, andere haben Leiter bereitgestellt und andere Fenster von den Urnenfächer geputzt. Der Unterschied war einfach total extrem. Während die Kinder die Mausolen der reichen Familien putzen feiern diese. Und es bestehen nicht nur Unterschiede zwischen den Lebenden sondern auch zwischen den Toten. Der ganze Friedhof ist in verschiedene Sektionen unterteilt. In einer Sektion stehen ganze Mausolen aus Marmor, die besser und größer sind als die Hütten in denen manche Schüler leben. Und in anderen Sektionen stehen Häuser mit 20 Urnenfächer übereinander bis unters Dach und zwischen den beiden extremen gibt es verschiedene Abstufungen.

In der Schule haben wir auch Allerheiligen gefeiert, in dem wir kleine Puppen gebacken haben und mit gefärbtem Teig Blumen, Dinosaurier und Menschen gemalt haben. Bei mir ist dabei eine Gringita entstanden :)img_3808Später gab es dann eine Messe für alle, in der die Puppen getauft wurden. Im Grunde genommen war alles wie bei einer echten Taufe, mit Patenonkel und allem.

 

Zum Thema Welt…..

Natürlich habe ich hier hauptsächlich mit Peruanern zu tun, lebe im Moment auf der anderen Seite der Welt und lerne die peruanische Kultur kennen. Aber halt nicht nur, ich habe auch viele Freunde, die aus anderen Ländern kommen. So kann es auch schonmal vorkommen, dass bei einem Campingtrip mit sieben Leuten vier Nationen vertreten sind. Bei dem besagten Campingtrip ging es am Samstagabend raus aus der Stadt,  ungefähr 1 1/2 h mitten ins Nirgendwo. Ungefähr 45 minten auf einer Schotterpiste also wirklich im Nirgendwo. Mitten im Nirgenwo befindet sich ein verlassenes Hotel und genau davor schlugen wir unsere Zelte auf (leider nur Plastik, ich vermisse vernüftige Schwarzzelte;). Der eigentlich Grund weshalb wir genau dort campen wollten ist jedoch nicht das verlassene Hotel sondern die heißen Quellen 200 meter weiter. Also haben wir uns um Mitternacht auf den Weg gemacht um baden zu gehen. Und tatsächlich etwas weiter oberhalb des Zeltpaltzes befindet sich ein kleiner Wasserfall und ein Teich / Fluss und der dampft ganz schön. Wen man dann seine Zehen hineinsteckt merkt man, dass das Wasser eine perfekte Temperatur hat, weder zu warm noch zu kalt. Dort badeten wir also in einem natürlichen warmen Gewässer, mit Vollmond und dem Blick auf die Berge.  Als es uns nach einer ganzen Weile zu warm wurde sind wir wieder zurück um uns am Lagerfeuer zu trocknen und bis tief in die Nacht Gittare zu spielen. Bei so vielen Nationen ist es gar nicht so leicht Lieder zu finden die alle kennen, aber die Beatels und Simon & Garfunkel gehen immer. Am nächsten Tag haben wir erstmal die Zeit genutzt um lange zu schlafen und sind hinterher die Schotterpiste zurück zur Straße gewandert, um dort zu hoffen dass irgendwann ein Kombi (kleinbus) vorbei kommt der uns mit nimmt. Anstelle eines Kombi kommt natürlich Regen. Dabei durfte ich feststelle, dass meine Regenjacke auch nicht mehr das hält was sie verspricht. Aber wie mein Papa jetzt sagen würde, bin ich ja nicht aus Zucker und schmelze nicht weg. So ist halt das Leben.

Und das Leben macht halt was es will. So wurde auch mein Handy geklaut. Wenn es weg ist, dann ist es es weg, dann kann man es nur noch akzeptieren. Aber zum Anfang der Geschichte. Am letzten Sonntag des Oktobers fand ein großes Festival zum Thema traditionelle Feste und Tänze statt. Jede Gruppe von MANTHOC hat eine kleine Aufführung vorbereitet und so auch meine. Meine Gruppe wollte ein Theaterstück  über das Fest de los quadro cruces (Fest der vier Kreuze). Also mussten wir vier große Kreuze bauen und mit Blättern und Blumen verzieren. Weshalb wir uns nicht nur Sonntag und Samstag treffen wollten, sondern auch am Freitag. Da ich Mariella aus Lima zu Besuch hatte, sollte sie am Freitag auch mitkommen. Wie haben schnell Mittag gegessen, schließlich wollten wir früh das Kombi nach Puylucana nehmen um einiges zu schaffen. Als wir dann jedoch in Banos del inka waren, ging plötzlich die Welt (#so spielt das Leben) es hat die ganze Zeit schon geregnet, aber in Banos fing es dann plötzlich so richtig an. Mit  solchen Wassermassen kommt die Kanalisation jedoch nicht klar. Und so konnte man nicht mehr unterscheiden wo Straße und wo Fluss ist. Und da sind wir durch gefahren mit dem Kleinbus. Zwischendurch wollten Leute noch einsteigen bzw. aussteigen, das ging jedoch nicht weil das Wasser auf der Straße bis zu den Knien stand und es so stark, schnell und mitreißend war das man nicht durch gehen konnte. Nach einem hin und her entschied dann der Fahrer um zudrehen. Und es war eine gute Entscheidung, denn auf dem Rückweg konnte man in einer Seitenstraße in den Wassermassen ein Taxi erahnen. Das war es also mit dem Arbeiten am Freitag. Am Samstag gab es dafür umso mehr mehr Arbeit. Bis spät am Abend haben wir die Kreuze verziert mit Blättern und vielen, vielen Blumen, Bildern, und Spiegeln. Um 21 Uhr waren wir endlich fertig. Und standen vor dem nächsten Problem, wie bekommen wir diese vier großen Gestelle nach Cajamarca???? Zum Glück ist der Schwager von Nataly (der zweiten Leiterin) Taxifahrer. Das nächste Probelem: Sie passen nicht ins Auto rein… Dafür aber aufs Dach! Mehr oder weniger gut aufs Dach gebunden, wurden die Kreuze in Slow motion nach Cajamarca transportiert.

Am nächsten Tag war es endlich so weit. Zunächst hin nach Puylucana um die Kinder dort um zuziehen und zu schminken und nach Cajamarca zur Calle de los cultures neben dem Marktplatz. Da angekommen hieß es zunächst warten bis es Anfängt und dann nochmal warten bis wir dran waren. Wie immer warten und noch mehr warten …… und irgendwann in dieser Zeit wurde mir mein Handy geklaut. Im einem Moment war es da und im nächsten weg. Natürlich habe ich überall gesucht, aber was weg ist ist weg (#so spielt das Leben). Trotzdem habe ich versucht mir den Tag nicht versauen zu lassen und meinen Kindern besonders applaudiert als sie die Vorführung hinter sich gebracht haben. Als dann meine Hose noch gerissen ist, war es dann jedoch vorbei mit meiner guten Laune und ich wollte schlafen. Schließlich bin ich abends um 23 Uhr fertig geworden und am nächsten Tag um 6 Uhr wieder zurück nach Puylucana gefahren. Es war ein Wochenende das, dass leben perfekt wiederspiegelt. Meistens schön, manchmal anstrengend und selten einfach nur ätzend. Egal was es ist andern kann man es eh nicht, man muss einfach das beste draus machen