Mein Tag

Da ich schon einige Fragen erhalten habe, wie man sich meinen normalen Tag vorstellen kann, werde ich an dieser Stelle einfach mal beschreiben wie mein normaler Tag hier aussieht. Los geht es ….

 

Aufstehen muss ich so gegen 7:00 Uhr. Wenn ich um 7:00 aufstehe habe ich sogar noch die Wahl ob ich zur Schule laufen will oder mir ein Moto nehme. Das führt meistens (also eigentlich immer) dazu, dass ich mir noch im Bett denke: “Ich nehme das Moto, dann kann ich noch ein paar Minuten schlafen”. Danach wird noch schnell das Müsli herunter geschlungen und eine Flasche Wasser abgefüllt, bevor es runter auf die Straße geht. Meistens treffe ich mich dort mit Andrea (einer weiteren Freiwilligen die aber in einer Gastfamilie wohnt) und kaufe mit ihr die frischen Lebensmittel für den Tag ein. Und schon geht es los zur Schule.

Auf dem Markt um frisches Hühnchen zukaufen
Auf dem Markt um frisches Hühnchen zukaufen
Morgens auf dem Weg zur Schule, zusammen mit Andrea und Marco.
Morgens auf dem Weg zur Schule, zusammen mit Andrea und Marco.
Moto
Moto

In der Schule angekommen geht es für mich Richtung Küche um zu klären welche Mütter heute kochen werden. Manchmal gibt es da ein kleines bis mittleres Chaos, aber am Ende geht es meistens auf. Danach muss ich die Reposteria aufschließen und die Reste vom letzten Tag wegräumen. Wen ich damit fertig bin, schaue ich mir meistens noch den letzten Teil der Morgenversammlung an und versuche die MANTHOC-Hymne mitzusingen oder das spanische Vaterunser (Hymne klappt ganz gut, weil an der Wand der Text steht. Bei dem Vaterunser ist das nicht ganz so leicht).

In der Reposteria warte ich dann, das die Kinder kommen mit ihren Schürzen und Hütten. Je nachdem welcher Grad an dem Tag dran ist dauert das was länger, weil es für Erstklässer nicht so einfach ist, sich eine Schürze umzubinden und eine Schleife zu machen (sie versuchen es zwar lange, aber am Ende mache ich es meistens). Wenn alle es geschafft haben sich die richtigen Klamotten anzuziehen, geht es los mit der großen Hände-wasch-action. Und da die Bäckerei definitiv nicht für Kinder konzipiert ist, brauchen sie auch dabei Hilfe. Also fülle ich eine große Wanne mit Wasser um allen die Hände zu waschen. Und bei 25 Schülern dauert das oft eine Weile, schließlich sollen alle Hände am Ende auch wirklich sauber sein (für manche Kinder eine echte Challenge).

baeckerei erdebeeren waschbecken

Und dann endlich geht es los mit der eigentlichen Aufgabe… Am Anfang wird gemeinsam das Tagesrezept durch gegangen, das an der großen Tafel steht. Dabei wird gleichzeitig auch lesen gelernt und umrechnen (also 1 kg=1000gr usw.). Um den Teig herzustellen werden von dann die verschiedenen Zutaten abgewogen und vermischt. Während die Kinder die eigentliche Arbeit machen, wusel ich herum und gucke das alles auch wirklich klappt und stimmt (ansonsten gäbe es nämlich einen Kuchenteig mit 3 kg Mehl anstelle von 600 gr). Irgendwann ist der Teig fertig und wenn es Plätzchenteig ist, steht mir die Aufgabe bevor zu gucken dass alle die Teigrollen nur beutzen um schöne Kekse zu machen und nicht um sich gegenseitig zu verkloppen. So bald alle Bleche im Ofen sind, wird aufgeräumt. Zunächst von allen Kindern, aber um alles durch zu fegen bleiben meist 2 Kinder länger um zu putzen , während allmählich etwas Ruhe einkehrt (die 10 Minuten bis die Pause losgeht).

Sobald die Pause losgeht strömen dann die Schüler in die Reposteria um sich etwas von dem Gebäck zukaufen. Dann habe ich wieder eine andere Rolle, nämlich den der Schatzhüterin.

Hinterher bin ich dann eine Köchin, Babysitterin oder Lehrerin. Also entweder helfe ich den Müttern beim Kochen des Mittagessen. Oder ich helfe den Müttern, in dem ich auf ihre kleinen Kinder aufpasse (sehr niedlich). Die letzte Möglichkeit ist, dass ich Nachhilfe gebe. Bisher mache ich das leider nicht so oft, aber das wird sich in Zukunft ändern.

babysitter

In der Küche habe ich den typischen, cajamarquinischen Hut eine Mutter anprobiert
In der Küche habe ich den typischen, cajamarquinischen Hut eine Mutter anprobiert

Und dann ist auch schon Zeit für das große Chaos namens Mittagessen. Um 1 Uhr kommen 70 Kinder auf einmal in den großen Comedor und haben Hunger! Und das geben sie auch lautstark kund, dementsprechend ist der Lärmpegel im Saal. Meistens fülle ich die Teller auf, die Leo hinterher verteilt. Dabei erkläre ich denn Kindern das ich keine Teller ohne Salat oder Gemüse mache und schaffe es mittlerweile ganz gut ihr betteln zu überhören. Nach dem Mittagessen ist der Schultag schon fast vorbei. Die nächsten 1,5 Stunden helfe ich die Teller zu spülen und alles zu putzen (die Klos gehören dazu, aber das wird mit Abstand die schrecklichste Aufgabe bleiben). Und damit ist mein Arbeitstag schon vorbei.

comdeor

Samstag habe ich noch eine Aufgabe. Die Gruppenstunde in Puylucana steht an. Da Puylucana etwas außerhalb liegt,  muss ich mir erstmal ein Kombi dorthin nehmen. Ein Kombi ist ein Kleinbus mit eigentlich 9 Sitzen, aber die wurden ummontiert, so dass es jetzt 10 Sitze gibt und auch Stehplätze (20 Leute in einem Kombi sind gar kein Problem :)). In der Gruppe machen wir jedes mal etwas anderes (Mal erstellen wir Plakate mit dem Thema Derechos de los Ninos (Rechte von Kindern). Mal spielen wir nur. Mal kochen wir oder malen über unsere Zukunft). Es kommt also keine Langeweile auf und wir lachen sehr viel (mit oder über mich ;)). Dabei ist es total selbstverständlich und kein Problem, das die Kinder (selber erst 8 ) auch ihre kleinen Geschwister mitnehmen, weil sie auf sie aufpassen. Die jüngeren (erst drei oder vier) werden einfach integriert und machen die Sachen so weit sie können mit.

derechos

So weit erstmal zu meinem Arbeitsalltag. Die Tage irgendwann schreibe ich auch noch ein Update was ansonsten hier noch so passiert ist, was kein Alltag ist, und was ich in meiner Freizeit mache…

 

Bis dann

Maike :)