Mein Ausflug aufs Land mit Alois

Bevor ich anfange zu schreiben, erkläre ich am besten erstmal wer Alois überhaupt ist.

Alois ist ein Priester aus der Pfalz (genauer gesagt aus dem wunderschönen Herxheim, das ich dank Alicia kennenlernen durfte ;)) Er ist vor über 55 Jahren nach Cajamarca gekommen um hier zu arbeiten. Vor ziemlich genau 31 Jahren hat er hier MANTHOC-Cajamarca gegründet (die Oraganisation gab es schon vorher, aber nicht in der Region Cajamarca). Mittlerweile ist Alois 87 Jahre alt, trotzdem pendelt er noch viel zwischen Cajamarca-Lima und Peru-Deutschland hin und her. Insgesamt lässt sich sagen, dass er eine tolle Persönlichkeit hat und es sich definitiv lohnt mit ihm zu reden.

Unser Ausflug ist jetzt auch schon über eine Woche her, aber die Zeit vergeht so schnell, dass es schwierig war direkt einen Eintrag zu verfassen.

Angefangen hat es vorletzten Dienstag, als Alois im Manthoc-Haus war um etwas mit Adela (der Chefin) zu besprechen. Bei der Gelegenheit wollte er die beiden neuen Freiwillige kennenlernen (also mich und Leo). Auf dem Weg zu ihm nachhause, kam ihm die Idee, Leo und ich, könnten ihn zwei Tage später zu einem Ausflug auf’s Land (oder auch campo genannt) begleiten. Als wir dann bei ihm zuhause ankamen hat er gleich wie wild rumtelefoniert um seinen Freund Viktor zu fragen ob wir beide noch mitkommen könnten. Nachdem er sich aufgeregt hat, warum die Peruaner alle 2 Monate ihre Telefonnummer wechseln, war klar, dass noch genug Platz im Auto ist.

An dem darauf folgenden Donnerstag ging es dann erstmal, in einem Kombi, los nach San Marcus. Dort angekommen, mussten wir das Haus von Viktor suchen. In dem Haus von Viktor gab es noch Mittagessen und uns wurde ine weitere Deutsche vorgestellt, die seit vielen Jahren Projekte für Campensinos (Bauern die auf dem Campo arbeiten & leben) aus Deutschland aus, betreut. Ein paar dieser Projekte durften wir dann am Nachmittag besichtigen.

Viktor hat extra für diesen Tag ein eigenes Auto, inklusive Fahrer, gemietet. Für Leo und mich wurde eine Matraze auf die Ladefläche des Pick-up gelegt und fertig waren unsere Plätze für die folgenden 2 Stunden nach Lickclich. Die ersten 15 Minuten ging es sogar noch über asphaltierte Straßen, danach ging es nur noch über unbefestigte Straßen/Wege. Der Ausblick von dahinten war so atemberaubend, dass ich auch nach mehrmaligem höflichen Fragen meinen Platz nicht tauschen wollte (es gibt tatsächlich noch gentlemens ;)). Mitten auf der Fahrt haben wir plötzlich angehalten und sind ausgestiegen um einen Campensino mit seinen zwei Pferden Getreide dreschen zu sehen. Der komplette Weizen wurde bis weit über meine Knie gestapelt und die Pferde sind die ganze Zeit im Kreis drauf herum getrampelt. Auf der restlichen Fahrt sind wir nur noch an vereinzelten Häusern vorbei gekommen. Jedes mal wen wir an Menschen vorbei gekommen sind wurden wir angestarrt und nachdem Leo und ich freundlich gewunken haben, wurde meist ziemlich verdutzt zurück gewunken. Lickclick selber ist eine Ansammlung von ungefähr 20-30 Häuser die am Hang verteilt stehen. In Lickclick haben wir dann verschiedene Projekte besichtigt. Die ich im folgendem kurz vorstellen werde.

Die Projekte

  1. Ein Versuchsfeld für Kartoffeln, die auf natürliche Weise angebaut werden. Direkt neben dem Versuchsfeld liegt ein Feld auf dem chemischer Dünger, Pestizide und von Monsanto gekaufte Samen genutzt werden. Bei dem organische Feld wird anstelle des chemischen Düngers, organischer Dünger benutzt, anstelle der Pestizide, ein Öl und eine Plane an der die Schädlinge kleben bleiben und anstelle der gekauften Samen werden ursprüngliche Samen benutzt, aus denen sie selber wieder Samen herstellen können.
  1. Vor einigen Jahren wurde Material für Meerschweinchenställe gespendet und pro Familie 3 Meerschweinchen finanziert. In dem Stall, den wir besucht haben, sind mittlerweile um die 50 Meerschweinchen zuhause (so genau weiß das keiner). Die Meerschweinchen können auf dem Markt verkauft werden und so ein zusätzliches Einkommen darstellen.
  1. Eine „Produktionsanlage“ für organischen Dünger.

    Ein schattiges Plätzchen für Kompost, in dem herrlich viele Regenwürmer leben und Kompost zu Dünger verwandeln. Außerdem werden verschiedene Bodensorten mit Kalk vermischt um einen Nährstoffhaltigeren Boden zu erzeugen.

Nachdem wir uns all die Projekte besichtigt hatten, gab es eine große Versammlung in der alle aktuellen wichtigen Sachen unter den Dorfbewohnern besprochen wurden. Wichtig bei all diesen Projekten ist die Selbstbestimmung, dass heißt alle Projekte werden nur durchgeführt wen alle Dorfbewohner zustimmen. Außerdem wird nur das Material finanziert und ohne die Mitarbeit der Bewohner läuft da gar nichts.

Bevor wir wieder nach San Marcus zurück gefahren sind, gab es noch Abendessen bei dem Dorfvorsteher.

Ein großer Nachteil von über 3500 m Höhe ist, dass es sobald die Sonne weg ist, es schweinekalt ist ( um die 0° C.). Und Leo und ich ja nicht im warmen Auto gefahren sind, sondern bei Fahrtwind im freien. Zum Glück wurde uns noch eine dicke Fleecedecke geliehen, aber trotzdem war uns ziemlich kalt. An diesem einen Tag haben wir also zwei extreme erlebt. Brüllender Sonnenschein und Sonnenbrand und eisige Kälte nachts.

Im groben und ganzen ziehe ich aus diesem Ausflug das Fazit, dass das Zentrum Cajamarca im Vergleich zum Campo sehr gut entwickelt ist. Auf dem Land leben die Menschen unter wesentlich ärmlicheren und bescheideneren Umstände. Ich habe viele Mädchen getroffen die genauso alt sind wie ich und schon ihr erstes oder zweites Kind haben. Oder auch den Zustand der Schulen, in denen die Schulbildung, die vermittelt wird, reicht um auf dem Markt klar zukommen, aber nicht um eine weiterführende Schule oder gar die Universität zu besuchen. Trotzdem war es erschreckend zusehen wie viel Einfluss multinationale Konzerne auf solche abgelegenen und vergessene Orte haben.

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Cajamarca und an die Arbeit in der Schule, die mir sehr gefällt, aber auch super anstrengend ist.

Nächstes mal gibt es ein bisschen mehr zu meiner Arbeit in der Schule und bei MANTHOC.

Bis dann ….

Maike